Die Sonne brennt am Himmel, als wir müde und durstig über die schlechte Straße trotten. Die Luft flimmert über den erhitzten Basaltsteinen des Pflasters, deren heißer Odem noch in Höhe unserer Gesichter spürbar ist. Nur schwer rinnt die Zeit an uns vorbei, jede Minute wird zu Qual, der Wasservorrat ist längst aufgebraucht, ein größerer wurde der Zuladung mit Pergamentrollen geopfert. Aber was noch viel schlimmer ist: Mein Gaul lahmt, warum habe ich mich bloß bereiterklärt, ihn zusätzlich mit einem Paket dieser Rollen zu beladen? Unerbittlich treibt mein Bruder die kleine Karawane an, er erhofft sich ein gutes Geschäft bei den Juden von Bet She'arim mit diesem raren Rohstoff zum Anfertigen neuer Torarollen.
Nun, wenn ich diesen Marsch nicht überstanden hätte, könnte ich hier nicht von ihm berichten. Ja, irgendwann erreichen wir schließlich den kleinen unter einem Hain von schattenspendenden Olivenbäumen liegenden Ort. Früher hieß er Besara, die Griechen verließen ihn irgendwann wegen dem Mangel an Wasser und später schlossen hier die vor Progromen geflüchteten Juden ihren Frieden mit den Machthabern des Römischen Weltreiches, welche bis heute kein Interesse an diesem Weiler haben. Sie schlugen große Höhlen in den leichten Tuffstein oder nutzten vorhandene, in denen sie auch heute noch wohnen, ihre Bräuche pflegen, ihre heiligen Schriften aufbewahren und vermehren sowie ihre Toten begraben.
Endlich sind wir da, am Eingang der Höhle wartet schon Rabbi Yehuda und wir können es kaum erwarten, nach kurzer Begrüßung in ihr Kühlung verheißendes Innere zu gelangen. Ein paar Felle sind ausgebreitet und man reicht uns zur Begrüßung koschere Schafsmilch, eine durstlöschende und neue Kräfte verleihende Erfrischung. Heute ist Askese angesagt. Zähe Verkaufsverhandlungen, hin und her wogt das Gespräch, bis ein für beide Seiten akzeptabler Preis für die Pergamentrollen erzielt wurde. Danach führt uns der Rabbi noch zufrieden durch die im Abendlicht liegende ungewöhnliche Siedlung mit ihren verstreuten Höhleneingängen, wechselt hier und da ein freundliches Wort mit den Bewohnern und führt uns schließlich zurück zu dem in seiner Höhle liegenden Gästezimmer, wo wir schließlich nach dem Genuß weiterer Schafsmilch recht schnell in tiefen, traumlosen Schlaf fallen.
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<------ Noch einmal zurück nach Diocaesarea? Oder weiter in das Ruinenfeld der uralten Stadt Megiddo ? ------> |
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