Aqua Diocaesarea


Am nächsten Morgen in Diocaesarea: Zwei Gladiatoren kämpfen gegeneinander, wirbeln in meinem Kopfe herum, der dabei zu zerspringen droht. Ich schleppe mich zum Brunnen und tauche mein Haupt in das kühle Naß hinein, um die beiden Kampfhähne zur Aufgabe zu bringen. Schlurfende Geräusche hinter mir, und schweren Schrittes nähert sich mein Bruder, wortlos verschwindet auch sein Schädel im Wasserbecken. Stille. Ist er in Schwierigkeiten, muß ich ihn retten? Doch da: Blasen steigen auf und sein vertrautes Gesicht taucht wieder auf, triefend und sich schüttelnd kehren seine Lebensgeister zurück. Komm mit, bedeutet er mir, ich zeige Dir, wo dieses wunderbare Wasser herkommt. Zur Unterstadt zieht er mich. Die Sonne steht schon hoch und taucht den Decumanus in flirrende Hitze, noch vor dem Stadttor rechts abbiegen, einen unscheinbaren Eingang passieren und dahinter einen Gang entlang auf immer glitschiger werdenden ausgetretenen Stufen in die Tiefe abtauchen. Und dann stehen wir davor: Ein unterirdischer Fluß, das Plätschern des Kühle aussendenden Wassers bricht sich an den Wänden des Tunnels, richtig kalt umspielt es die Hände beim Eintauchen. Und wie das schmeckt! Genau das Richtige, um Mund und Speiseröhre von den schalen Überbleibseln der vergangenen Nacht zu befreien. Und dann fängt mein Bruder an zu erzählen, voller Stolz auf das viele hundert Jahre alte Äquadukt- und Tunnelsystem von den Quellen in den Bergen bei Nazareth, welches hier in ein unterirdisches etwa 150 Graduum (Doppelschritte) langes und reichlich 1 Pes (Einzelschritt) breites Reservoir mündet und etwa 170000 Amphoren Wasser speichern kann. Meine Andächtigkeit wird viel zu schnell unterbrochen, mein Bruder hat noch diverse Besorgungen zu erledigen, um sich am nächsten Tag nach Bet Sche'arim auf den Weg zu machen, wo Geschäfte mit der dortigen jüdischen Diaspora auf ihn warten. Und da sich der Ort am Weg nach Jerusalem befindet, willige ich ein, ihn dorthin zu begleiten.

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