Aufwachen in Bet She'arim am nächsten Morgen: Wieder nur koschere Schafsmilch. Nun ja. Ich glaube, ich bin doch eher nicht zur Askese geboren, auch meinem Bruder ist eine Portion Unmut anzumerken, als er sich kurz darauf in Richtung Diocaesarea verabschiedet. Und ich? Die Astrologen sagen für die nächsten Tage glühende Hitze voraus, so folgen Sie mir doch zum Mare Nostrum! Mit dem erholten Pferd geht es los auf der uralten Straße, welche schon zu Zeiten der Pharaonen Assyrien mit den ägyptischen Kernlanden verbunden hat. Zuerst gen Westen mit der langsam vom Rücken zur Seite wandernden Sonne, später wendet sie sich nach Süden, um den Ausläufer des Karmelgebirges zu umgehen. Gnadenlos in Richtung der brennenden Mittagssonne verläuft jetzt der holprige, wohl zuletzt von den Ägyptern ausgebesserte Weg. Eigentlich wollte ich ja weiterkommen als bis zur etwa 25 milia passuum entfernten Herberge von Megiddo an der Kreuzung mit der Straße von Akko nach Jerusalem, aber als ich dann vor dieser stehe, zieht mich ein unerbittlicher Zwang dort hinein. Nur fort aus der Hitze in die miefige Kühle der Herberge!
Als es dann aber Abend wird und ein sanfter Wind meiner Haut ein wenig Kühle zuschmeichelt, zieht es mich nochmals hinaus zu den über der weiten Ebene auf dem südlichsten Berg des Karmelgebirges thronenden Ruinen der über 3000 Jahre alten Festungsstadt. Unter der wechselnden Herrschaft der Ägypter, mehrerer kanaanäischer Könige, des Nordreiches der Israeliten, der Aramärer und zuletzt der Assyrer und Perser mehrfach zerstört und abgebrannt, immer wieder aufgebaut, aber mit dem Vordringen des römischen Weltreiches schließlich aufgegeben, so besitzt diese Stadt wohl eine außergewöhnliche Geschichte. Ja, und wenn man der strengen Auslegung der neu verbreiteten christlichen Religion Glauben schenken darf, so wird die Geschichte auch noch weitergehen und schließlich hier enden, hier in der Ebene von Armageddon wird es laut der Offenbarung des Johannes den Ort der endzeitlichen Entscheidungsschlacht im „Krieg des großen Tages Gottes, des Allmächtigen“ geben. Nun ja, aber noch ist alles friedlich und keiner hindert mich daran, gemessenen Schrittes die Herberge aufzusuchen, dort ein bestimmt nicht mit Schafsmilch heruntergespültes Abendmahl einzunehmen und nach Ausbreiten meiner Decke trotz einer Anzahl von schon ziemlich laut schnarchenden Gästen wenig später in tiefen Schlaf zu sinken.
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<------ Noch einmal zurück über die hitzeflimmernde Landstraße nach Bet She'arim? Oder lieber an das erfrischende Mittalmeer ? ------> |
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