Armenierviertel Dschulfa


Wenn die Dämmerung langsam ihr samtenes Tuch über die Millionenstadt Isfahan bereitet und sich die Familien auf dem grandiosen Meidān-e Emām treffen, so wird sich so mancher eher säkulär eingestellter Jugendlicher unter welchen Vorwand auch immer in den südlich des Zayandeh Rud gelegenen Stadtteil Neu-Dschulfa (armenisch Նոր Ջուղա) abseilen. Etwa 25000 Menschen leben hier, die Nachfahren der von Abbas I. im Jahr 1605 aus der armenischen Weberstadt Dschulfa unter Einräumung weitreichender Privilegien hierher verbrachten Armenier, neben anderen aus ganz Persien umgesiedelt, um dem im Jahr 1598 zur Hauptstadt des Sassanidenreiches erhobenen Isfahan zur Blüte zu verhelfen. Parallelen zu Friedrich II., dem "Alten Fritz" drängen sich da auf, welcher aus einem bankrotten, ums Überleben kämpfenden Fürstentum unter anderem mit dem Anwerben neuer Bevölkerung die Grundlagen für den Aufstieg Preußens zur Großmacht legte. Und wie in Berlin, so kann man auch in Isfahan die Folgen dieser vor vielen Jahren weitsichtig getroffenen Entscheidungen besichtigen und wegen der zwischen beiden Großstädten zweifellos vorhandenen Unterschiede hier nach einem Überraschungsmoment ganz besonders genießen. Hier lebt die Stadt! Einmal abgesehen von der auf den Bildern auszumachenden Vank-Kathedrale, der größten der 12 Kirchen, reiht sich hier Cafe an Cafe, Gaststätte an Gaststätte, Leuchtreklamen erhellen die Gassen und wenn man auch als Europäer nicht allzuviel von den durch diese offerierten Dienstleistungen und vor allen Dingen die unter einem Regime erforderlichen Nuancen und Untertöne auszumachen imstande ist, so fehlt es hier an den typischen Merkmalen für ein Vergnügungsviertel nicht, Alkohol einmal (hm...?) ausgenommen. Die Frage, welche ich mir am Anfang meiner Iranreise gestellt habe, warum Yazd mehr als religiöses und Isfahan mehr als weltliches Zentrum Persiens gilt, sie wurde mir hier beantwortet. Analog zu Berlin und etwa Stuttgart, wenn auch unter ganz anderen Voraussetzungen. Ach ja, aber eine Frage bleibt: Die fleckige Statue auf dem linken Bild, umseitig ein finster dreinschauender Kuttenträger, weder analog noch digital mit Erklärungen, die bleibt mir ein Rätsel. Vielleicht eine Warnung der Mullahs, es nicht zu übertreiben?