Was trieb eigentlich die Menschen in vergangenen Epochen um und animierte sie, mit den viel geringeren technischen Mitteln als heute gewaltige Kirchen und Moscheen in die Welt zu setzen, welche es auch heute noch vermögen, den geneigten Betrachter, gläubig oder nicht, mit Ehrfurcht zu erfüllen. War es die Eingebung kluger und die Besessenheit machthungriger Herrscher, die tief Gläubigen in ihrem Denken zu bestärken und die Zweifelnden von der Macht und der Größe des Glaubens (und damit des Fürsten) zu überzeugen? Da baute man oftmals Jahrhunderte an diesen Kathedralen der Religion, in diesem Falle sogar nur zur Pracht: Die Moschee des Imams ist nicht die Freitagsmoschee, der Ort des Freitagsgebets für die tausenden Einwohner von Esfahan, sondern einfach nur der südliche Abschluß dieses gewaltigen, wohl größten umbauten Platzes der Welt. Wieviel Kraft und Können wurden da aufgewendet, um Millionen kleiner Mosaikfliesen in wunderbaren, meist bläulichen Fahrben herzustellen und dauerhaft zu befestigen, welche auch heute noch die für die damaligen Zeiten gewaltigen Räume zieren? So sind damals im Gegensatz zu den heutzutage würfelförmigen Renditeobjekten und disharmonischen Kunst- und Protzbauten Gebäude von unvergänglichem Stil entstanden. Ein Widerspruch? Nein. Eigentlich nur der Zeitgeist. Niemand läßt sich heute mehr so ausbeuten und auspressen wie im Mittelalter und die Herrscher der Welt bedienen sich subtilerer und auch ein Stück "humanerer" Methoden, um ihre Macht aufrecht zu erhalten.