Darf ich mich Ihnen vorstellen, Fremder? Mein Name ist Mehmet und ich habe Ihren von unserem Naqsch-e Dschahān beeindruckten Blick schon wahrgenommen. Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich Sie ein wenig herumführen. Ja? Gut!...
Wollen Sie die Kultur und das Lebensgefühl von uns besser verstehen? Dann kommen Sie doch zuerst mit zum Qasr-e Dolatchaneh, der Ostpforte des Palastes unseres hochgeschätzten Herrschers Abbas I. Etwas seltsam sieht der Bau ja aus, mit seinem auf 18 Zedernholzäulen aufgeständerten hohen Dach, und ob er sich gut in die Architektur des Platzes einfügt, nun, darüber sind wir Perser uns auch nicht so recht einig. Aber kommen Sie doch herein, keine Angst vor den Wachen davor, mich als Würdenträger lassen sie immer durch...
Sehen Sie! Möge die Kühle der Empfangshalle den Schweiß auf Ihrer Stirn ein wenig lindern! Sie hätten sehen sollen, was hier 1597 zum Fest des Nouruz los war! Zur Einweihungsfeier gaben sich alle Würdenträger von Nah und Fern die Ehre! Kommen Sie nun die Wendeltreppe herauf in den dritten Stock und achten Sie trotz der Miniaturmalereien an den Wänden bitte auch ein wenig auf die Stufen vor Ihren Füßen und auf Ihren Kopf! Ts,ts, Ihr Europäer seid doch ziemlich hochgewachsen! Ah, die Tür zur Terrasse steht schon offen und wenn sich Ihre Augen an das gleißende Sonnenlicht gewöhnt haben, dann schauen Sie sich doch ein wenig um. Rechts und links von Ihnen an den Wänden Miniaturen von Reza Abbasi, unserem großen Miniaturmaler. Suchen Sie ein wenig, vielleicht finden Sie ja auf ihnen unseren geschätzten Herrscher.... Ich sehe Ihnen Ihre müden Füße schon an, tauchen Sie sie doch in das Wasserbecken ein! Keine Angst, es ist in 60 Zentimeter Tiefe mit Kupfer ausgeschlagen, es reicht, wenn sie Ihre Hosen vor dem Hinsetzen auf seinen Rand ein wenig hochkrempeln. Eine schöne Aussicht? Ja? Sie haben Glück, daß gerade kein Polo-Turnier auf dem Platz stattfindet, dann würde unser Herrscher dort sitzen.....
Eine kleine Erfrischung gefällig? Ach kommen Sie, Ich gieße Ihnen eine Tasse davon ein, von unserem besten Tee, welchen die Armenier aus dem Kaukasus heranschaffen....
Schmeckt er Ihnen, der Tee? Und verleiht Ihnen neue Kraft für die Überraschungen der oberen Stockwerke? Dann kommen Sie doch! Und schließen Sie die Augen, keine Angst, ich führe sie in unser und besonders mein Heiligtum. Hören Sie nun die Tar? Das traditionelle persische Musikinstrument, für welches dieser Raum mit seinem besonderen Schallverhalten eigens geschaffen wurde? Sehen Sie: Wände und Decken wurden im Abstand mit einer Verschalung aus Gips überzogen, in welche die Umrisse von Gefäßen verschiedenster Form und Größe eingeschnitten wurden. Diese Struktur samt der darin untergebrachten Glas- und Metallflakons führen zu einer ganz besonderen und dem eigentümlichen metallischen, leicht vibrierenden Klang dieses Instrumentes angepaßten Akustik. Hören Sie ruhig noch ein bißchen weiter.....