Eigentlich günstig ist die Lage von Vietnam für die Eisenbahn! Das langgezogene Land kann recht gut mit einer zentralen Strecke und davon ausgehenden Stichbahnen erschlossen werden. Und so ist es dann auch geschehen, es dauerte allerdings von 1881 bis 1936, bis man dann die 1726 Kilometer von Süd- nach Nordvietnam auf einer Spurweite von 1000 mm durchfahren konnte. Insgesamt umfasst das Streckennetz in Vietnam 2437 Kilometer, davon 485 Kilometer (Hanoi-Dong Dang an der cinesischen Grenze) Normalspur, teilweise mit Dreischienengleis. Heute ist ein Schnellzug von Hanoi nach Ho Chi Minh-Stadt mit maximal 100 km/h, meist aber langsamer, etwa 30 Stunden unterwegs. Aber lassen wir die Statistik einmal beiseite und begeben uns auf eine Fahrt von Hue nach Da Nang. Eigentlich, so sagt man, der schönste Teil der Strecke, wenn man einmal von der berühmten Markt-Durchfahrt in Hanoi absieht. Es geht 103 Kilometer am Südchinesischen Meer entlang, der Mittelteil verläuft in engen Windungen über den Hai Van- (Wolken-) Pass hoch über der Steilküste, kurvenreich mit geringer Geschwindigkeit, aber mit grandiosen Ausblicken auf die See. Zweieinhalb Stunden Bahnromantik pur! Zunächst geht es mit etwa 80 km/h über flaches Land, Felder links und rechts der Strecke, ineinander übergehende Siedlungen, hin und wieder Meeresblick. Im Speisewagen gibt's Live-Jazz und kleine Speisen und Getränke von einem improvisierten Tisch. Die Kurven werden mehr, die Dam Chau Hai, die Vedana-Lagune und später die kleinere Lap An-Lagune werden umrundet. An deren Ende dann der größte Zwischenbahnhof: Lang Ko, von hier werden die Erholungsorte auf der gleichnamigen Nehrung erreicht. Großer Bahnhof, viele Ein- und Aussteiger, Verkäufer von in Palmblätter eingewickelten Speisen, von Getränken, Souveniren, Passanten, welche einfach nur neugierig sind, eine Viertelstunde Warten auf den sich mit lautem Hupen ankündigenden Gegenzug, welcher schließlich mit Fußgängertempo die Personen vom Gleis am Hausbahnsteig wegtreibt.
Auf ins Wolkengebirge? 