Tempelstadt My Son


Während am Mittelmeer die Römer herrschten, entstand Im 2. oder 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung im heutigen Zentralvietnam das Netzwerk kleinerer Cham-Reiche, aus dem heutigen Malaysia eingewanderte Hindus brachten ihre Religion mit und errichteten hier ihr religiöses Zentrum. So entstanden westsüdwestlich des heutigen Hoi Anh bestimmt um die einhundert Tempel, jeweils aus einem zentralen turmartigen Bauwerk und umliegenden kleineren Gebäuden bestehend. Der berühmteste Turm, 24 Meter hoch und mit Bildhauereien von Löwen und Elefanten verziert, wurde wie alle anderen Bauwerke ohne Mörtel errichtet, die kleinen Ziegel wurden wie Bauklötzer fugenlos übereinander- geschichtet und die meisten der Bauten überdauerten nach der Eroberung des Cham-Reiches durch die Vietnamesen ab dem Jahr 1471 im Dschungel die Jahrhunderte, bis schließlich französische Archäologen die Anlage am Ende des 19.Jahrhunderts wiederentdeckten und noch vor dem ersten Weltkrieg mit Restaurierungen begannen. Siebzig relativ gut erhaltene Tempelanlagen konnten im nun auf vietnamesisch als "My Son" (Schöner Berg) bezeichneten Gelände katalogisiert werden, fünfzig davon wurden durch amerikanische Bomber im Jahr 1969 "im Namen der Freiheit" völlig zerstört und die restlichen mehr oder weniger beschädigt. Die Restaurierungsarbeiten gestalten sich wegen der mörtellosen Bauweise äußerst schwiering und mühevoll, aber die derzeitigen Ergebnisse vermitteln doch schon einen Eindruck von der weiträumigen Anlage. Wenn nur die heiße Sonne nicht wäre, der nach den Napalmangriffen noch recht schüttere Dschungel bietet da nur relativ wenig Schutz!