Das Weiße Haus, der Sitz des Präsidenten der Vereinigten Saaten und damit des vermeintlich mächtigsten Mannes der derzeitigen Welt, liegt etwas abseits der National Mall, welche man in Höhe des Washington-Obelisken verlassen muss, um sich einen Eindruck von dem gegenüber dem Capitol eher ziemlich klein daherkommenden Gebäude zu verschaffen. Der erste Präsident Washington war es, welcher den Platz dafür aussuchte und den irischen Architekten James Hoban mit dem Entwurf beauftragte. Dieser nahm, warum wohl, das Leinster House in seiner irischen Heimat Dublin zum Vorbild, auch die Kosten des Baues sind akribisch überliefert, es waren 232.371 Dollar, nach heutiger Kaufkraft etwa 3,35 Millionen. Washington erlebte jedoch die Inbetriebnahme des Amtssitzes nicht mehr, er starb im Dezember 1799, erst sein Nachfolger John Adams zog am 01. November 1800 dort ein. Mehrere Zerstörungen suchten den Ort heim, schon 1814 wurde es von den Briten im Unabhängigkeitskrieg, im Jahr 1929 wütete ein Brand, um 1950 wurde unfassend rekonstruiert, aber immer hielt man sich an die Ursprungsarchitektur, nur Zusatzbauten wurden mit größer werdendem Raumbedarf hinzugefügt, so der West- und der Ostflügel. Die Kunst der Bauherren zeigte sich dabei aber im Beharren auf dem Ursprungsanblick, blickt man - aus erstaunlicher Nähe - auf die Nordseite, so wähnt man sich irgendwo vor einem Landsitz eines mittleren pommerschen Landadligen. Und auch als die Südseite später auf Betreiben vom Frankreich-Fan Thomas Jefferson als Kopie des Chateau de Rastignac in der französischen Provinz mit Balkon und einer besäulten Rotunde etwas großzügiger umgestaltet wurde, änderte sich nichts am recht bescheidenen Grundriss. Wünschen wir doch den heutigen und folgenden Präsidenten, dass ihnen der aus den historischen Mauern atmende Geist ihrer berühmten Vorgänger ein wenig besser bei der Amtsführung helfen möge.