Die mit unzähligen Automobilen verstopften Straßen von New York lassen eigentlich nicht vermuten, dass sich ein weiterer Teil des Lebens der Metroploe in ihrem Untergrund abspielt, genauer gesagt auf den 472 Bahnhöfen des 370 Kilometer (1055 Gleiskilometer) langen U-Bahnnetzes. Auf den meisten der Stationen fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt: Gusseiserne Säulen, zumeist tiefe Decken bei den 281 im Tunnel liegenden Stationen, auf unverschweißten Gleisen polternde Züge, Menschenmassen (4,9 Millionen Fahrgäste pro Tag), so bietet sich das Bild einem Nutzer nach Betreten der unterirdischen Hallen. Kein Wunder, das Netz wurde ja in der Innenstadt im Wesentlichen im Jahr 1940 vollendet und wird seitdem unter Vorrang der Ökonomie (und nicht der gerade neuesten Technik) instand gehalten. Drei Gesellschaften waren es zunächst, mit entsprechenden Konkurrenzen und Dopplungen, erst ab dem Jahr 1953 ist die New Yorker Stadtverwaltung Pächterin des Gesamtnetzes, zuletzt unter dem Namen New York Transit (MTA) firmierend. Aber die Entstehungsgeschichte des Netzes wirkt bis heute fort, wie in Berlin gibt es ein Kleinprofil und ein Großprofil und die Umsteigebahnhöfe haben unterschiedliche Namen je Linie. Beginnen wir doch unsere Reise am eher kleineren Bahnhof 51 st Street und warten auf dem Bahnsteig der Grünen Linie in Richtung Manhattan. Nur die "Locals" der Linie 6 halten hier, die "Expresses" der LInien 4 und 5 poltern hier nur durch. Aber auch hier kann man umsteigen, der zugehörige Bahnhof der hier kreuzenden Linien M und E heißt Lexington Avenue. Voll ist der Zug, knallend schließen sich die Türen (Wer kennt das noch von der alten Berliner S-Bahn?), polternd geht es durch den engen Tunnel, die Nummern der Straßen auf den Stationsschildern nehmen immer mehr ab, bis der "Bummler" schließlich an der Brooklyn Bridge endet.
Was für ein Leben dann an der Station "Times Square"! Hier kreuzen sich die Roten (Station 42 st Street), Lilanen und Gelben Linien und es gibt noch einen unterirdischen Shuttle zur Central Station. Auch hier die gusseisernen Säulen, die gemauerte Kassettendecke, alles trotz einem Alter von über 100 Jahren noch gut erhalten, und Tunnel, in Manhattan größtenteils viergleisig, was erst "Expresses" wie den Shuttle der Linie S ermöglicht.