Aquaedukt von Aspendos


Tief im Süden von Anatolien, etwa 50 km von Antalya entfernt, nähert sich der Köprüçay - Fluss den Fluten des Mittelmeeres. Zu antiken Zeiten hieß er noch, leichter aussprechbar, Eurymedon und war sogar noch schiffbar. Eine Stadt in Nähe der Flussmündung, Estwediiys, entstand hier wohl schon durch die Hethiter im 12. Jhdt v.Chr., unter den Griechen und Römern hieß sie dann Aspendos, zu deren Wasserversorgung später im 2.Jhdt n. Chr. der wohl bedeutendste Aquaedukt Kleinasiens geschaffen wurde. Auch damals gab es Sponsoring: Laut einer Inschrift spendete ein gewisser Tiberius Claudius Italicus die Baukosten von zwei Millionen Denare (etwa acht Millionen Euro) für das Bauwerk über das hier etwa einen Kilometer breite, sumpfige Tal. Die Wasserleitung begann etwa 20 Kilometer nordöstlich in den dort etwa 550 Meter hohen Bergen. An beiden Seiten des Tals erhoben sich 30 Meter hohe Wassertürme, in denen das Wasser in offenen Becken gesammelt wurde, bevor es vom südlichen Turm aus zum Nymphaion in der Stadt geleitet wurde. Die Römer nutzten zum Überwinden des Tales das Prinzip der oszillierenden Röhren: Zwischen den beiden Wassertürmen wurde das Wasser durch eine 28 Meter tiefer liegende Leitung gejagt, die auch von Fußgängern benutzt werden konnte. Wegen des hohen Wasserdrucks von 4,5 bar bestand sie aus durchbohrten Kalksteinblöcken (90x90x50cm), deren Röhrenbohrung einen Innendurchmesser von 28 cm besaß. Nicht lange funktionierte dieses Wunderwerk der Technik, denn bei einem verheerenden Erdbeben im Jahr 363 n Chr. stürzten weite Teile des Bauwerks ein und es fand sich offenbar angesichts seiner Verwundbarkeit auch kein Sponsor für einen Wiederaufbau. Aber die Steine, für diese hatte man noch Verwendung, zahlreiche Segmente dieser Röhrenabschnitte wurden beim Bau der römischen Brücke über den Eurymedon eingebaut und blieben somit erhalten. Und was das Erdbeben nicht zerstören konnte und auch die eintausendachthundert nachfolgenden Jahre überdauert hat, das ragt heute noch in den (an diesem Tag leider wolkenverhangenen) Himmel, umgeben von Feldern und Orangenhainen.