Nach dem Durchschreiten des Eingangstores zum Topkapi-Palast fällt der interessierte Blick des Besuchers auf ein Bauwerk, welches so gar nicht mit der gewöhnlichen Architektur moslemischer Bauten in Einklang zu bringen ist. Eine byzantinische Kirche ähnlich der viel größeren Hagia Sophia, und das mitten in einem Sultanspalast? Es ist die Hagia Eirene, die "Kirche des göttlichen Friedens", im vierten Jahrhundert unter Kaiser Konstantin als erste Kirche Konstantinopels erbaut, seitdem einmal abgebrannt und einmal bei einem Erdbeben stark beschädigt, aber immer wieder aufgebaut und mithin wohl das älteste Bauwerk der heutigen Metropole Istanbul. Und: Unter dem letzten gesamt-römischen Kaiser Theodosius I. erlebte die Kirche eine Veranstaltung, welche für die Christenheit eine bis heute andauernde Bedeutung erhalten sollte. Das zweite ökumenische Konzil (Erstes Konzil von Konstantinopel) im Frühjahr des Jahres 381 erklärte die Dreifaltigkeit zum Dogma: „dass wir also an die eine Gottheit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes bei gleicher Majestät und heiliger Dreifaltigkeit glauben.“ In den Jahren danach erhob Theodosius das Christentum zumindest in den oströmischen Landesteilen erfolgreich zur Staatsreligion, im Westen gelang das nicht so recht, ein Baustein dazu, dass Westrom nicht mal ein Jahrhundert später unterging. Aber warum überdauerte nun gerade diese Kirche die Zeiten und das sogar auf diesem Areal? Nach der Eroberung Konstantinopels wurde der Bau der Palastwache, den Janitscharen, als Waffenlager zugewiesen, fand sich zuerst außerhalb des neuerbauten Sultanspalastes und später im Jahr 1478 nach dem Bau einer zusätzlichen Wehrmauer plötzlich in seinem ersten Innenhof wieder. Im Jahr 1846 entstand hier, noch unter Regie der Janitscharen, ein Museum und nach umfassender Instandsetzung ab dem Jahr 1973 dient die Kirche wegen ihrer hervorragenden Akustik als Konzerthalle. Mit ihren wiederhergestellten Malereien und einem großen Kreuz in der Aspis. Auch eine neue Bezeichnung fand sich: Aus Eirene wurde Hagia Irene, die Irenenkirche. Viele Grünanlagen, Gärten, ein Paradeplatz, Wirtschaftsgebäude machen die Fläche dieses zu Sultanszeiten den ganzen Palast bis zur Küste herunter umschließenden "ersten Hofes" aus, an seinem anderen Ende warten schließlich hinter dem Tor der Begrüßung dessen innere Höfe auf ihre Entdeckung.