Mitten im Ihlara-Tal, umgeben von Tuffgebirgen, befindet sich das Dörfchen Selime, benamt nach der Türbe, einem für den im Jahr 1520 in der Nähe verstorbenen osmanischen Sultan Selim dem Grausamen errichteten Mausoleum. Aber natürlich, wie eigentlich überall in Kleinasien, die Geschichte dieses Ortes ist viel älter: Die Entstehungszeit des gegenüber in den Tuff gehauenen christlichen Klosterkomplexes bleibt, wie auch sein ursprünglicher Name, im Dunkel der Geschichte verborgen, die jetzigen knapp zweitausend moslemischen Bewohner des Dorfes bezeichnen ihn als Selime Kalesi, die Burg von Selime.
So steigen wir doch einmal den steilen Berg hinan, passieren die noch guterhaltene enge Pforte, um uns wenig später auf einem inzwischen zerklüftetem Plateau wiederzufinden, der Blick in das Tal ist durchaus bemerkenswert und hinter uns steigen die ausgehöhlten Berge empor! Die Küche mit den Vorratskammern erweckt darerst unsere Aufmerksamkeit, eine größere Halle mit Abzug nach oben, unten Spuren einer Feuerstätte, vielleicht noch nach der Aufgabe des Klosters von Hirten genutzt. Rechts davon schließt sich ein größerer, noch ziemlich guterhaltener Raum an, gesäumt von zweistöckigen Arkaden. Der hier getriebene Aufwand läßt einen Festsaal vermuten, vielleicht auch eine Arena für Wettkämpfe oder ein Theater? Es ist möglich und es lohnt sich auch, den Saal oben als auch unten zu umrunden und immer neue Ansichten zu genießen, wenn auch der Zahn der Zweit inzwischen gewaltig an den Mauern genagt hat. Und was wäre ein Kloster ohne eine Kirche? Hier ist sie! Wenn auch der Eingang inzwischen weggebrochen ist, so ist doch ihr eigentlicher Baukörper, eine dreischiffige Basilika, noch gut erhalten. Nur die rußgeschwärzten Wände zeugen von einem Feuer, Zufall oder nur teilweise erfolgreiche Versuche, die im Islam schlecht gelittenen Bilder von christlichen Heiligen zwecks weiterer Raumnutzung unkenntlich zu machen?: So sind noch Szenen aus Kindheit und Jugend Mariens und aus der Christuslegende, unter anderem Verkündigung, Geburt, Verehrung durch die Heiligen Drei Könige, Flucht von Bethlehem und Taufe im Jordan, erkennbar. Schlichter und einfacher dagegen sind die anschließenden Wohnräume der Mönche am Rand des Komplexes gehalten.
Bestimmt achthundert Jahre ist es inzwischen her, dass die letzten Mönche die Bauten auf der Flucht vor den Seldschuken verlassen haben. Aber ihre Bauten, sie haben die Zeiten erstaunlich gut überdauert.....