Die "Granitinsel", ein zweihundert Millionen Jahre altes Granitmassiv in der Singapur vom malaiischen Festland trennenden Straße von Johor, etwa 8 Kilometer lang und ca 1,5 Kilometer breit, wurde schon lange Zeit besiedelt. Umfangreiche Grantisteinbrüche lieferten bis in die neuere Zeit Baumaterial zum Aufbau der Städte ringsum, über zweitausend Einwohner gab es bis zu deren Schließung im Jahr 1970 auf der Insel, heute sind es noch etwa einhundert, welche zum Teil vom Verleih altersschwacher Fahrräder leben, mit deren Hilfe man immerhin etwa die Hälfte der eindrucksvollen Landschaft erkunden kann. Im Westen der Insel endet der Weg am Pipit Hut oberhalb des Ketam (Krabben-) Sees, einem ehemaligen Granitsteinbruch. Um ihn herum existiert eine Tour für Mountain-Biker, der Black Diamond Grade Trail, eine ziemliche Herausforderung für die schrottigen Fahrräder, aber immerhin eine solche Möglichkeit im dichtbesiedelten Singapur. Aber ein wenig abseits des Hauptwegs dorthin wartet noch eine Überraschung auf den Wanderer, der "German Girl Shrine", einer von vielen Bauwerken dieser Art in Singapur, und wie bei vielen von denen mit einer interessanten Geschichte: Um 1910 herum befand sich ein großer Teil der Plantagen auf der Insel in der Hand zweier deutscher Familien. Zum Beginn des ersten Weltkriegs trieben die Briten die Deutschen zwecks Internierung in einer Haftanstalt zusammen, ein 18-jähriges Mädchen entkam dabei. Sie wurde ein paar Tage später von den Briten nicht sonderlich gesonnenen Plantagenmitarbeitern tot aufgefunden, über und über mit Ameisen bedeckt und jedes Mal, wenn sie an ihr vorbeikamen, warfen sie Sand über ihren Körper und brachten Gebete, Blumen und Weihrauch dar. Später wurde die Tote dann von Chinesen begraben und an dieser Stelle entstand irgendwann ein Tempel, täglich gepflegt und mit Blumen ausgestattet von den Ortsansässigen, das "Berlin-Heiligtum", wie über dem Eingang zu lesen ist und wo Sitzgelegenheiten zu einer in der Hitze wohlverdienten Rast einladen, um dabei auch ein bisschen über die vom Leben geschriebenen Geschichten nachzudenken.