Chinatown


Mitten in der City, eingerahmt zwischen den Hochhäusern der Innenstadt und dem Marina Bay, da befindet sich eines der wenigen Kleinode aus der Geschichte Singapurs, Chinatown. Aus dem Hochchinesisch als wörtlich übersetzt als "Ochsen-Fahrzeug-Wasser", wegen der Wasserversorgung des Platzes mit Ochsenkarren in vorindustriellen Zeiten. Schon um 1330, die Stadt hieß damals noch Temasek, gab es hier eine chinesische Gemeinde mit einem Umschlagplatz von Waren im Handel zwischen China und Indien. Und als im Jahr 1818 Sir Thomas Stamford Raffles dem Sultan von Johor die Insel Singapur abluchste, dort im Auftrag des britischen Empire einen Handelsstützpunkt und Militärposten gründete und bis zu seinem Tode im Jahr 1826 die Geschicke der aufstrebenden Stadt bestimmte, da förderte er gemäß seiner Überzeugung die Ansiedlung von weiteren Chinesen, aber auch von Indern und Malaien in jeweils getrennte Stadtviertel. Schnell war der Bezirk überfüllt und blieb es auch bis zur Umsiedlung vieler Einwohner angesichts des gewaltigen Wohnungsbauprogramms ab den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aber der Atem des Viertels ist geblieben: Schmale, mehrstöckige Häuser, deren Inhaber oben wohnen und sich von den unten befindlichen Geschäften ernähren, von Geschäften mit Textilien, Süßkram, duftenden Gewürzen, China-Spielzeug, mit Waren, deren Sinn sich mir als durchschnittlichen Mitteleuropäer nicht so recht erschließt. Ein Viertel zwischen Tradition und Touristenmeile, besser gesagt, eine Symbiose von beidem: Touristenkneipen mit "Böhmischem Bier" oder "Schottischem Ale", Souvenir- und Tandläden, Billig- und "Marken-" Textilien, dazwischen die traditionellen Läden, in der Mehrzahl allerdings inzwischen in den Seitenstraßen.