das Raffles-Hotel


Welch ein Gegensatz zum ganz in der Nähe konkurrierenden modernen Hotel Marina Bay Sands! Umgeben von neuzeitlichen Wolkenkratzern, atmet es, ganz in Weiß gehalten, den Glanz des vergangenen britischen Empires, wenn auch der Blick aus den hohen Fenstern auf das freie Meer inzwischen wegen der neu aufgeschütteten Insel Straits View mit dem modernen Gegenpart nicht mehr möglich ist. Und wer mal eben so um die 700 Euro täglich übrig hat, der wird da bestimmt angesichts des gediegenen Luxus' auf seine Kosten kommen: Tropischer Innenhofgarten, ein Museum und ein Theater im viktorianischen Stil warten außerhalb des normalen Komforts (Pool, Massagen usw.) auf den vermögenden Nutzer. Vielleicht interessiert auch der Bar- und Billard- Komplex wegen des Andenkens an den letzten wilden Tiger, welcher hier im Jahr 1902 erlegt worden sei. Und die Hotelbar ist bekannt dafür, kostenlos Erdnüsse anzubieten, deren Schalen man einfach auf den Boden werfen kann, was bestimmt angesichts der hohen Strafen für solches Tun außerhalb der Hotelmauern geradezu umstürzlerisch-wohlige Schauer bei der hier verkehrenden Schickeria auslösen dürfte. Wenn das mal kein Grund wäre, das 1887 von vier armenischen Brüdern eröffnete Hotel einhundert Jahre später zum Nationaldenkmal zu erklären! Entscheidend dafür war aber wohl seine Benennung nach dem Gründer Singapurs, Sir Thomas Stamford Raffles, einer Person, welche durchaus Weltgeschichte geschrieben hat, als sie im Jahr 1818 zum Gouverneur von Bencoolen in Sumatra ernannt, nachdem man den Vorgänger ermordet hatte und der dort elendes koloniales Hinterland vorfand. Damit ließ sich die Vorherrschaft der Holländer in der Region nicht brechen, dazu war ein besserer Platz vonnöten. Und er war ein Mann der Tat: In Kalkutta erreichte er die Erlaubnis des Generalgouverneurs, im Osten der Straße von Malakka einen Stützpunkt zu gründen, und wenig später übertrug der Sultan von Johor per Vertrag der britischen Ostindien-Companie die Kontrolle der in dem Schriftstück so bezeichneten Insel Singapur. Eigentlich in der Einflussphäre der Holländer, die natürlich protestierten, sich aber zu keinen ernsthaften Gegenmaßnahmen aufraffen konnten, was ihre schleichende Vertreibung von der malaiischen Halbinsel einleitete. Als sich Raffles aufgrund einiger familiärer Tragödien im Jahr 1823 entschloss, nach Großbrittanien zurückzukehren, war aus dem Dorf mit anfänglich 500 Bewohnern schon eine Stadt mit zusätzlich über 5000 Kaufleuten, Soldaten und Beamten geworden, welche seine Handschrift trug, die Sklaverei war abgeschafft, der sogenannte Raffles-Town Plan sah getrennte Viertel mit Straßen, Schulen und Verwaltungsgebäuden für die verschiedenen Ethnien vor, ein Resident Court wurde eingerichtet und der Hafen in Konkurrenz zu den Niederländern, welche Fremdschiffe nur unter Schwierigkeiten in ihre Häfen einlaufen ließen, zum Freihafen erklärt. Aber wie so oft, der Kleingeist siegte und eine Würdigung seiner Leistungen für Großbrittanien fand erst lange nach seinem Tode statt, im Gegenteil, die Britische Ostindien-Companie verklagte ihn erfolgreich über 22.000 Pfund Sterling Entschädigung für angeblich überzogene Ausgaben während seiner Amtszeit und als er im Jahr 1826 an einem Gehirntumor einen Tag vor seinem 45. Geburtstag starb, wurde sein Vermögen von rund 10.000 Pfund von dieser eingezogen.