Das hätten sich die malaiischen Sultane bestimmt nicht träumen lassen, welche angsichts von ethnischen Unruhen zwischen chinesischstämmigen und anderen Einwohnern den südlichsten, vom Festland durch die Johorstraße getrennten Zipfel der malaiischen Halbinsel am 07. August 1965 einfach aus ihrer Föderation ausschlossen, dass hier innerhalb von 50 Jahren einer der reichsten Staaten der Erde entstehen sollte, welcher dem ehemaligen Mutterland schon längst den Rang abgelaufen hat, ja sogar inzwischen als wirtschaftliches Vorbild für dieses gilt. Dabei hatte die neuentstandene Nation in den ersten Jahren mit dem Mangel an Rohstoffen, an Fläche, an Wohnraum und mit Massenarbeitslosigkeit zu kämpfen. Restriktive Massnahmen zur Förderung der Wirtschaft verhalfen schließlich zum Erfolg, auch die Politik des de facto entstandenen Einparteienstaates wurde dem untergeordnet, die seit der Unabhängigkeit regierende chinesisch dominierte "Peoples Action Party" PAP hat es verstanden, etwa die Hälfte der Präsidentenwahlen wegen nur einem vorhandenen Kandidaten ausfallen zu lassen und ständig mit Traumergebnissen ins Parlament einzuziehen. Im Zusammenspiel aus konfuzianisch orientierter, staatlich-öffentlich kommunizierter Ethik, strengen Gesetzen, einem hohen Grad an Überwachung, sehr geringer Korruption und dem Aufbau einer effizienten Wirtschaft sehen die Verfechter dieser Leitlinien die Ursachen, dass eine wohlhabende Gesellschaft entstand, die eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt hat. Aber nicht nur das: Die sich entwickelnde weltweite Finanzwirtschaft benötigte ein Staatswesen in Südostasien mit stabilen politischen Bedingungen, welches es bis in die neunziger Jahre hinein in dieser Region sonst nicht gab. Und so stehen wir Europäer heute auf dem sonntäglich autoarmen Nicoll-Highway und betrachten uns bestimmt ein wenig andächtig die Skyline der Downtown-Hochhäuser mit ihrer unterschiedlichen, manchmal auch durchaus ideenreichen Architektur, vielleicht auch ohne ausgemachte Fans von solcherart Bauten zu sein. Und wer möchte, kann ruhig einmal die Phantasie sprießen lassen: Was wäre geschehen, wenn die Kommunisten Osteuropas von Singapur zu Lernen fähig gewesen wären? Ob man es befürworten hätte können, sei dahingestellt, aber hier funktioniert so etwas ähnliches dank des wirtschaftlichen Erfolges bis heute.