Nun, ein wenig Geduld ist schon vonnöten, um zu der sagenhaften Inkastadt Machu Picchu vorzudringen, Entschleunigung sozusagen. Zuerst ist das Einfallstor Aguas Calientes zu überwinden. Der unter Schaukeln gemächlich dahinrollende Schmalspurzug hat seine Ladung Touristen von 3800 Metern Meereshöhe auf 2050 Meter hinabgehievt und nun sind wir hier abgeladen worden und tauchen in die Untiefen des Tourismus ein, wühlen uns durch einen gewaltigen Andenkenmarkt zum Hostel durch. Was nun? Für die Auffahrt zur Ruinenstadt ist es zu spät, happige Tagesgebühren und kurze Öffnungszeiten sprechen definitiv dagegen. Also machen wir das, was hier offenbar alle Neuankömmlinge beschließen zu tun: Starten wir doch einen Rundgang durch den 2000 Seelen-Ort und versuchen, ihm ein paar schöne Seiten abzugewinnen! Kommen Sie / kommt Ihr mit? Ja?
Ziemlich weit unten am Urubamba-Fluß gelangt man zwangsläufig zur Plaza, dem wohl schönsten Platz des Ortes. Von Springbrunnen umgebene Bänke laden zum Verweilen ein und in der Mitte steht er, Manku Qhapaq, der Sohn des Sonnengottes Inti und mythischer Gründer des Inkareiches, gesandt zu den Sterblichen, um die Welt zu verbessern. Erreicht hat er die Erde um das Jahr 1200 n. Chr. auf der Sonneninsel im Titicacasee, sein mitgeführter goldener Stab, der Tupayawri, versank schließlich nach einigem Umherwandern an dem Ort in der Erde, an welchem dann die Stadt Cusco und damit das Inkareich gegründet wurden. So lautete der Auftrag vom Sonnengott und so will es die Sage.
Drehen wir uns nun doch einmal um und schauen in das Antlitz der Iglesia Virgen del Carmen, einer kleinen, für südamerikanische Verhältnisse recht einfach ausgestatteten Kirche auf der Nordostseite des Platzes. Ein wenig weiter schaut mit grimmiger Miene der wegen seinem Sieg über die größten Feinde des Inkareiches "Weltenveränderer" genannte Pachacutec Yupanqui, der von 1438 bis 1471 neunte Sonnenkönig und der Legende nach Gründer von Machu Picchu, auf das touristische Treiben um ihn herum, bereit, bei zu großer Annäherung eines Neugierigen den gewaltigen Condor von der Schulter zu lassen. Auch der Puma in seinem Gefolge wirkt nicht unbedingt ermutigend. Was der Herrscher wohl angesichts des neuzeitlichen Rummels um seine Stadt denken würde, würde er es denn können? Stolz? Freude? Wut? Abscheu?
Aber nun zum Wochenmarkt mit einfachem, aber authentischem Essen....
Gäääähn.... Was war das? Keine Lust mehr auf weitere Entdeckungen? Ja, die 1600 Meter Höhenverlust machen sich inzwischen bemerkbar! Aber glücklicherweise bedeutet Aguas Calientes ja: "Heiße Quellen!" Und so steigen wir wieder ein paar Höhenmeter entlang des gleichnamigen Seitenflusses mit seinen rostig-pittoresken Brücken hinauf und verbringen den Rest des Tages einschließlich der bald mit ihren samtenen Pfoten das Land umschlingenden Dämmerung in einem salzig-heißen Pool, vielleicht schon ein bißchen ahnend, wie anstrengend der nächste Tag werden wird......