Aufstehen um 03:30, Katzenwäsche, stolpern über die dunklen Gänge der Herberge auf der Suche nach der uns versprochenen und irgendwo abgestellten Kaffeekanne, mit ein paar eiligen Schlucken von dem heißen Gebräu die Kehle verbrannt, das Gepäck über steile Wendeltreppen heruntergeschleppt, und schon treten wir aus dem warmen Mief der Herberge auf den zu dieser Tageszeit still daliegenden Plaza de Armas, den zentralen Platz vom in 3800 Metern Meereshöhe liegenden Cusco hinaus. Gegenüber verschwinden die Türme der gewaltigen Kathedrale in der Dunkelheit, von der angenehmen Beleuchtung während der Abendstunden ist nur das fahle Licht der Straßenlaternen übriggeblieben. Keine Zeit für solche Betrachtungen, denn uns zieht es zu der mit PKW befahrbaren Ecke des Platzes, wo auch schon zu dieser Stunde, wie kann es auch anders sein, diverse reguläre und andere Taxis auf Kunden warten. Nicht jedes der Autos kann uns vier inklusive Gepäck befördern und nicht jeder der Fahrer hat angemessene Preisvorstellungen, aber jeder kennt selbstverständlich die Station Poroy, auf welcher die schmalspurigen Züge von Peru Rail ihre dreistündige Fahrt durch das Urubambatal nach Machu Picchu beginnen. Kein Wunder, jeder Tourist muß diese Züge zumindest auf ihrem letzten Stück benutzen, so er nicht etwa 75 Kilometer über alte Inka-Pfade wandern möchte. Und Monopol schafft eben Mondpreise, bis zu 1485 Dollar lassen sich hier für ein One-Way-Ticket ausgeben, pro Person selbstverständlich, so man will. Aber Monopol schafft auch Arbeitsplätze, zumindest bei Peru Rail, diverse Angestellte verteilen zuerst Berechtigungskarten zum Durchschreiten der Bahnsteigsperre, welche bei dieser Gelegenheit wieder in Bordkarten umgetauscht und wenig später beim Betreten des Waggons über eine vor die Tür gerollte kleine Treppe wiederum gelocht werden, wenn die in Amerika gebaute Diesellok brummend ihre Wagenschlange auf den 914 mm (3 ft) breiten Gleisen an den Bahnsteig gedrückt hat. Um 06:40 steht schließlich der "Expeditions-Zug" zur Abfahrt bereit, zu einer Zeit, zu der sich Reiche und Schöne noch wohlig im Daunenbett des First-Class-Hotels räkeln, kostet er nur ein Zwanzigstel des Höchstpreises. Die Fahrt beginnt pünktlich, aber wer nun meint, hier angesichts der Schaukelei etwas Schlaf nachholen zu können, der sitzt einem gewaltigen Irrtum auf. Einmal abgesehen von der in den ersten Sonnenstrahlen an den Seitenfenstern und Oberlichtern vorbeiziehenden eindrucksvollen Landschaft mit ihren Dörfern und mehreren an die Berghänge geklebten Inka-Bauten sind alleine zwei Servicekräfte für das Wohlergehen der Fahrgäste eines Wagens zuständig und sie erfüllen diese Aufgabe mit Hingabe. Getränke, Snacks und natürlich der obligatorische Andenkenwagen, manches kostenlos, anderes zu durchaus europäischen Preisen, ständig kurvt irgendein Wägelchen durch den Mittelgang. Mehr als im Flieger. Ein Glück, daß wir wenigstens noch etwas Gesundes in Form einer riesigen Papaya bei uns haben! Um 09:50 erreicht der Zug schließlich seinen Endbahnhof: Aguas Calientes heißt das zum Touristenort gewachsene ehemals kleine Dorf, welches sich den werbewirksamen Beiamen Machu Picchu zugelegt hat. Aber das ist eine andere Geschichte.