Am Fluß


Nein, Gummistiefel sind für diese Tour nicht nötig, hat der Guide uns gesagt. Und wer möchte schon freiwillig mit diesen Dingern bei tropischen Temperaturen durch unwegsame Landschaft stapfen? Mit festem Schuhwerk sollte es allerdings schon sein, um keine gefundene Beute für Schlangen und ähnliches Getier abzugeben. So erklimmen wir also in der Morgendämmerung recht mühevoll einen steilen lehmig-glitschigen Hang, uns mehr schlecht als recht an den Gewächsen links und rechts des schmalen Pfades hochziehend. Der Papageienfelsen ist jedoch eine Enttäuschung, die Viecher lassen sich nicht blicken, irgendwo da oben in den hohen Baumwipfeln ertönt ihr höhnisches Kreischen. Aber wie nun zurück zu dem am Ufer des Carbon-Flusses wartenden Boot? Da wieder hinunter? Ja, es gibt noch einen anderen Weg, beruhigt uns der Guide, zwar ein bißchen weiter aber viel leichter: Entlang der Fahrstraße und später am nächsten Nebenfluß bis zu seiner Mündung. Belebter Dschungel um uns herum, für Laien schwer deutbare Geräusche ertönen von allen Seiten, da ein Rascheln, dort ein Piepsen, hier ein Knistern. Und dann oben auf einem Baum ein Brüllaffe! Schreit er allen Schmerz der Welt heraus oder will er uns vor etwas warnen? Und wenn ja, wovor? Ach Quatsch, weiter! Wenig später tut sich vor uns der Fluß auf, nur zu den kleineren gehört er, nein, hier eine Brücke zu bauen hat bisher niemand für notwendig gehalten. Für die Räder eines Autos kein Problem, eher eine Reifenwäsche, aber für uns mit unseren Wanderschuhen? Nein, wir müssen da nicht durch, der Guide zeigt flußabwärts, wo das Wasser zwischen dem Urwald links und rechts in einem breiten Schotterbett mäandert. Keine Chance, auf dem Trockenen zu bleiben. Versuchen wir es doch barfuß! Aber die Steine sind unregelmäßig, groß und klein, viele abgerundet, aber einige auch recht spitz. Was eben so ein Hochwasser aus den Bergen anschleppt. Nach hundert Metern macht sich angesichts der vom Guide mit lebhafter Gestik angezeigten zu überwindenden für europäische Plattfüße geradezu unendlichen Weiten Fatalismus breit: Schuhe wieder an, Augen zu und durch. Eine Sekunde (eher weniger) halten Imprägnierung und Schuhcreme die Nässe ab, dann umschmeichelt sie die Füße, zumindest während des Aufenthaltes im Wasser, um später auf dem Trockenen mit quietschenden Geräuschen unter Hinterlassen einer nassen Spur zumindest teilweise wieder abgegeben zu werden. Aber nur teilweise, der Rest erweist sich als unheimlich zäh, er will bei der hohen Luftfeuchtigkeit und fehlenden Heizmöglichkeiten einfach tagelang nicht weichen und hinterläßt sozusagen als Abschiedsgruß noch die beliebten, das Schuhwerk verzierenden weißen Ränder. Gerade richtig, um uns in Macchu Picchu unter die Touristen aus aller Welt zu mischen!