Es sind die kleinen Perlen am Wegesrand, welche zuweilen die größten Überraschungen bergen. Ein unscheinbares Tor mitten am Fahrweg Cusco - Pilcopata an der Grenze vom Nebel- zum Regenwald und ein halb von tropischer Vegetation verdecktes Schild künden hier von einem "Centro de Rescate de Vida Silvestre", einem Wildlife-Rettungszentrum. Na, dann hinein! Keine Kasse, die geforderten 10 Sol pro Person zu löhnen, nur ein Trampelpfad führt ein Stückchen in den Regenwald zu einem versteckt daliegenden Häuschen. Und dann sind sie schon da, die Affen! Sie umkreisen uns, klettern auf die umliegenden Bäume, um sich plötzlich auf unsere mehr oder weniger behaarten Schädel fallen zu lassen. Pech, wer da nicht rechtzeitig seine Brille festhält. Oben im Geäst ist dann nur noch unscharf zu erkennen, wie die Biegefestigkeit ihrer Bügel spielerisch getestet wird. Aber Rettung naht schon: Ein Mann taucht auf und tauscht das unverzichtbare Sehuntensil nach längeren Verhandlungen gegen Bananenstücke ein! Und als das Nasenfahrrad wieder dort sitzt, wo es hingehört, fordert er uns auf, ihm zu folgen. Mißtrauisch nach oben blickend tun wir das und stolpern natürlich fast über einen weiteren, diesmal am Boden nahenden und dabei ziemlich kompakten Vertreter der heimischen Fauna: Ein Wildschwein, nein mehrere reiben plötzlich ihre Rüssel in der Hoffnung auf ein Leckerli an unseren Beinen. Aber die Rettung von der Aufdringlichkeit naht schließlich hinter dem Haus: Irgendetwas Braunes liegt da im Baum. Unsicher teten wir näher. Ist es ein Tierkopf? Ja! Da öffnet sich ein Auge, schaut kurz zu den nahenden Störenfrieden herüber um sich nach einem Augenblick wieder zu schließen. Und uns kommt die Erleuchtung: Soeben hat uns ein Faultier direkt angeschaut. Welch eine Ehre! Dankbar rubbeln wir es ein wenig, das Viech läßt sich auch umdrehen, schlaff liegt es in unseren Händen. Na, ein wenig mehr Leben wünschen wir uns dann doch, also folgen wir dem Guide ein Stück bergab zu einem Gatter, um einem weiteren seltsamen Tier ein wenig Gesellschaft zu leisten: Ein Tapir wartet da auf etwas Zerstreuung und natürlich auch auf Futter von den umliegenden Bäumen. Ziemlich geschickt schiebt er mit seinem seltsamen Rüssel die dargebotenen Blätter in sein darunterliegendes Maul und schnurpst sie in seinen Verdauungstrakt, interessiert beobachtet von den in einer Voliere daneben befindlichen Papageien. Eigentlich die einzigen eingesperrten Tiere, alle anderen laufen (und liegen) hier frei herum und verfolgen uns noch, natürlich ohne das Faultier, zu zwei in einer Niederung befindlichen Fischteichen. Und dort gibt es glücklicherweise keine Bäume, so daß die Affen mit für gute Sichtbarkeit im hohen Gras sorgenden hocherhobenen Schwänzen ganz artig neben uns hertrotten.
Es ist doch ein kluger Schachzug, das Eintrittsgeld erst nach dem Besuch des kleinen Tierparks zu verlangen! Ziemlich selten wird wohl jemand dort nur den verlangten Eintrittspreis zu zahlen bereit sein.