Abra de Acjanaco


Höher und höher windet sich die unbefestigte Straße vom 2906 Meter hoch gelegenen Paucartambo hin zum Hauptkamm der Anden, dabei jedes Seitental in engen Serpentinen ausnutzend und die Aufmerksamkeit potentieller Autofahrer mit Haarnadelkurven immer wieder auf eine harte Probe stellend. Weit reicht der Blick dabei über die kaum bewaldeten Höhen des Gebirges bis hin zu den schneebedeckten Sechstausendern am Horizont. Und dann ist er endlich erreicht, der 3502 Meter hohe Abra de Acjanaco, der Acjanaco-Paß, überragt vom 3800 Meter hohen Aussichtspunkt zu den drei Kreuzen. Und hier ändert sich die Landschaft grundlegend: Die Zone des Nebelwaldes ist erreicht. Vom Amazonasbecken her treibt der Ostwind feuchte Luft heran, welcher angesichts der hohen Berge nichts anderes übrig bleibt als aufzusteigen, sich abzukühlen und abzuregnen. Es ist noch kein tropischer Regenwald, nein, die Bäume und Sträucher ähneln vorerst eher mitteleuropäischer Vegetation, allerdings schier vom intensiven Bewuchs mit Flechten und Lianen erdrückt und ständig angesichts dieser Schmarotzer um das eigene Überleben kämpfend. Und immer weiter windet sich die schlaglochübersäte Straße serpentinenreich zu Tal, reißende Bergbäche sind nur selten überbrückt und müssen dann mittels Furten durchfahren werden, auf der einen Seite der Felsen, während gegenüber eine im Nebel liegende Schlucht unbekannter Tiefe nur darauf wartet, das Auto und seine Insassen zu verschlingen und der Pflanzenbewuchs mit der Annäherung an das Amazonasbecken immer dichter und tropischer wird. Bis schließlich Madre de Dios, die wohl abgeschiedenste Provinz des an Überraschungen reichen Peru erreicht ist. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.....