die Tempel der Stadt


Beim Durchqueren von Chinatown wird der aufmerksame Passant irgendwann auch die Tun H S Lee-Straße auf seinem Weg berühren. Eigentlich im Gegensatz zum parallel verlaufenden Chinamarkt eine ganz normale Straße: Links und rechts von Fahrbahn und schmalen Gehwegen ein Sammelsurium kleiner älterer Häuser und moderner Bauten ohne größerem architektonischen Anspruch. Da durchgehen? Probieren wir's doch, es könnte sich lohnen! Und da taucht er schon nach ein paar Metern weiter auf, der etwas nach hinten versetzte Guan Di Tempel, dem chinesischen Taoismus gewidmet, eigentlich eine interessante Mischung aus verschiedenen Strömungen von Philosophie und Religion ohne einheitliche Lehre, vereinigt durch den Grundsatz des "Tao". Dieses Tao ist die höchste, nicht mit Begriffen fassbare Wirklichkeit, von der sich alle anderen Dinge, welche uns umgeben, ableiten lassen. Und so besagt die ethische Lehre des Taoismus, die Menschen sollten sich an diesem Tao orientieren, indem sie den Lauf der Welt beobachten, in welchem es sich äußert, und können so die Gesetzmäßigkeiten und Erscheinungsformen dieses Weltprinzips kennenlernen. Eine Religion, welche geradezu einlädt zu Interpretationen, aber durchaus auch ihre geschichtlichen Gestalten besitzt, welche dann an den Eingängen der in kräftigen Rottönen gehaltenen Tempel und auch in ihnen neben allerlei Fabelwesen zu bewundern sind. Welch ein Gegensatz tut sich dann einige Häuser weiter mit dem Sri Mahamariamman-Tempel auf! Eine Milliarde Hindus gibt es auf der Welt und auch in Kuala Lumpur sind sie vertreten. Auch in dieser Religion gibt es einen höchsten kosmischen Geist, das "Brahman", die erste, ewige und absolute Kraft. Unter dieser residiert jedoch eine im dreistelligen Bereich liegende Anzahl verschiedener Götter und gottähnlicher Gestalten, welche wie auch Menschen und Tiere in einem Kreislauf ewiger Wiederkehr gefangen sind. Schlechte Taten während der Lebenszeit ergeben ein schlechtes Karma und verhindern den als höchstes Lebensziel geltenden Ausbruch aus diesem Kreislauf als Erlösung in das Nirwana, die Moksha. Typisch für einen Hindu-Tempel ist der Tempelturm, ein Abbild des mythischen Weltenberges, des Universums, bevölkert von den im Tempel jeweils verehrten Wesen.