Bahnhof und Eisenbahndirektion


Im Jahr 1892 wurde der neue Hauptbahnhof von Kuala Lumpur in Betrieb genommen, nachdem der alte aus dem Jahr 1885 für den wachsenden Verkehr schon wieder aus allen Nähten zu platzen drohte. Ein gewaltiges Gebäude mit angesichts der tropischen Regenfälle über 100 Meter langer überdachter Vorfahrt, von der Dienst-, Gepäck- und Warteräume trockenen Fußes erreichbar sind, und einem ebenso durchdacht auf dem Dach der Haupthalle für Licht und Frischluft angeordneten kleinen Pavillon, welcher sich heute aus bestimmter Perspektive in einen visuellen Gegensatz zu den Hochäusern der City und dem 421 m hohen Fernsehturm setzen läßt. Hinter dem Gebäude schließt sich die im viktorianischen Stil gehaltene Bahnsteighalle mit insgesamt vier Gleisen an, welche mich sofort an die bei einer Überfahrt nach Großbritannien kennengelernte Halle von Dover erinnert hat. Nur die Spurweite der Gleise von 1000 mm verrät den anderen Standort, deutsche Schmalspur-Maßstäbe anzuwenden, verbietet sich hier allerdings. Gerade hat ETS 204, einer der malaiischen KTM-Intercity-Züge, am Hausbahnsteig gehalten, er verkehrt als EG 9322 um 17:30 in knapp vier Stunden nach Butterworth im Norden Malaysias, was einer für Schmalspurzüge hervorragenden Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 120 km/h entspricht. Aber es gibt durchaus Parallelen zur heimischen Bahn: Der Zug hat schon bei Abfahrt eine Viertelstunde Verspätung und der Zugzielanzeiger stiftet mehr Verwirrung als Nutzen, er zeigt schon den nächsten Zug an, einen Nahverkehr nach Tanjung Malim. Man soll sich ja wie zu Hause fühlen.... Und das Gebäude gegenüber dem Hauptbahnhof, auf der anderen Seite einer schwer zu passierenden Schnellstraße? Zwar läßt das britische Formsignal durchaus regelkonform ein wenig den Flügel hängen, aber das dahinter liegende gut erhaltene Gebäude, im Jahr 1917 fertiggestellt, vereinigt gotische Stilelemente mit Objekten aus der ottomanischen und griechischen Architektur des 13. und 14. Jahrhunderts. Fünf überdachte Lüftungstürme, der größte dabei über dem zentralen Haupteingang symmetrisch zwischen den vier kleineren angelegt, sorgen für annehmbares Klima im inneren und begrenzen zugleich die einzelnen Teile des Gebäudes. Romantische Anwandlungen eines britischen Architekten zu einer Zeit, als man sich in Europa gerade gegenseitig die Köpfe einschlug? Aber ich vergaß, etwas über den Zweck zu verraten. Sie ahnen / Ihr ahnt es bestimmt schon: Es ist die Eisenbahnverwaltung.