Gerasa


Fremder, so kommst Du in die römische Provinz Arabia Petraea, so solltest Du deren heimliche Hauptstadt Gerasa bei Deinem Besuch nicht auslassen. Tritt ein in die Stadt, an den Wachen vorbei durch das imposante Hadrianstor, aber verlasse nach Passieren des Hippodroms die Hauptstraße und ersteige den linkerhand liegenden von den achtunddreißig hohen Säulen des Jupiter-Tempels gekrönten Berg. Ja, und dann wende Dich nach Norden! Vor Dir liegt das Forum in seiner für die eher eckige Grundrisse bevorzugenden römischen Bauweisen ovalen Außergewöhnlichkeit. Du kannst es nicht erwarten, hinabzusteigen? Dann tu es! Tauche ein in das volle Leben! Sieh die Händler in den Kolonnaden und höre ihre Rufe beim Anpreisen ihrer Waren, wenn nicht gerade ein von Pferden gezogener Wagen über das Pflaster poltert. Und wenn Du hier noch so lange staunend verweilst, gerätst Du doch irgendwann mal an das andere Ende. Hier beginnt der von bestimmt tausend Säulen gesäumte achthundert Meter lange Cardon Maximus, weiche dem regen Verkehr aus unt tauche ein in die schattenspendenden Kolonnaden zu seinen Seiten. Und es geht weiter mit außergewöhnlichen Bauwerken. Linkerhand taucht schon bald das Marcellum mit seinen hohen Säulen auf. Da, eine Kreuzung! Und was für eine! Der Tetrapylon mit seinen alle vier Ausfahrten säumenden kunstvollen Bauten. Stärke Dich ruhig bei einem der Händler in den Kolonnaden, denn bald kommst Du jetzt an einen ganz besonderen Platz: Das Nympheum! Das den Wassernymphen geweihte zweigeschossige Heiligtum mit seiner Marmorverkleidung, mit seinen Fresken verziert unter eine Halbkuppel mit gesprengtem Giebel, die sich über einem großen Prachtbrunnen wölbt. Die Brunnenfassade ist in Nischen mit darin befindlichen Statuen unterteilt, welche aus großen Behältern Wasser in das Bassin des Prachtbrunnens gießen. Welch eine Labsal, nach anstrengender Wanderung hier zu sitzen und dem Plätschern des Wassers zu lauschen. Und: Welchen Glaubens wir doch sind, mit Nymphen verbinden wir doch alle schöne Gedanken, oder?