En Gedi


Tief unter dem Meeresspiegel am Rande des Jordantales liegt sie, wohl eine der schönsten und interessantesten Oasen der Negev-Wüste: En Gedi, übersetzt so ähnlich wie "Quelle des Zickleins". Ein ziemlich wasserreicher Bergbach ergießt sich hier zum Toten Meer hin und bietet zwischen seinen steilen Katarakten einen um den anderen Pool zur Erfrischung des nach steilem Aufstieg doch etwas ermatteten Wandersmann, weswegen es sich durchaus empfiehlt, die Wanderung in Badesachen zu absolvieren, so man die Strahlen der sengenden Sonne auf seinem mitteleuropäisch-blassen Körper nicht scheut. Lohnt es sich also, hier einen mittelschweren Sonnenbrand zu riskieren, während man die Badepausen damit verbringt, anläßlich des Aufstieges Nubische Steinböcke zu beobachten, aber besser noch die Klippschliefer, eine seltsam plumpe in den Bäumen des Gebietes und sich von diesen ernährende kaninchengroße Tierart, ein ziemlich träger Pflanzenfresser, sozusagen das Faultier des Orients, welcher allerdings bei Angriffen von Raubtieren schnell zur Behendigkeit wechseln kann und sich notfalls mit seinen Krallen auch zu wehren weiß? Immerhin streifen hier auch Leoparden, Wiesel und Schakale durch das Dickicht, diese lassen sich allerdings gegnüber den verachtenswerten Zweibeinern, welche da tagsüber durch die Gegend latschen, nicht blicken. Und natürlich erzählt hier, wie eigentlich überall, jeder Stein seine Geschichte. Und was könnte er alles berichten, wenn wir seine Sprache besser verstehen würden, von den Anfängen der Besiedlung im 4. Jahrtausend vor Christus, als hier das in der Bibel erwähnte Stammesgebiet von Juda in Joshua bei den "schwer zugänglichen Orten in En-Gedi" bestand. Reich an geräumigen Höhlen, ein idealer Ort für König David und seine Männer, um sich zu verstecken. Von einigen dieser Höhlen wird angenommen, dass mit den „steinernen Schafhürden“, bei denen Saul haltmachte, diese gemeint sein könnten, vor deren Eingang eine einfache Steinmauer als Wetterschutz diente. Und natürlich, wie könnte es anders sein, gibt es auch hier Herausragendes aus der jüdischen Geschichte zu berichten: Aus den Zeiten des Königs Josaphats mit den hier stattfindenden Kämpfen gegen Juda, von einer im Jahr 68 n. Chr. durch sich nach Masada zurückziehende Zeloten zerstörten römischen Siedlung, von einer im Jahr 1960 entdeckten "Höhle der Briefe" mit Schriften aus dem jüdischen Bar-Kochba-Aufstand der Jahre 132-135 n Chr. gegen die Römer und einer in alten Gemäuern entdeckten halbverbrannten Schriftrolle aus dem 4.Jhdt n. Chr., deren Text als aus dem dritten Buch Moses stammend indentifiziert werden konnte. Aber genug der Geschichte! Kehren wir noch einmal zur Gegenwart zurück! Wir befänden uns nicht in Israel, wenn es an diesem Ort nicht auch ein Kibbuz geben würde! Rund 800 Leute wohnen hier auf einem Felsplateau mit traumhafter Aussicht auf das Tote Meer, Tourismus gilt als Hauterwerbszweig der Kibbuzianer, mit Hotels und einem aus einer 38 Grad heißen Schwefelquelle gespeisten Heilbad gegen die Gebrechen der modernen Zivilisation. Aber auch der Anbau von Datteln und Pomelos sowie das Abfüllen von Mineralwasser trägt zum Lebensunterhalt bei, außerdem sind viele fremde Pflanzen aus tropischen Ländern angepflanzt worden, so daß hier ein das ganze Gelände durchdringender botanischer Garten entstanden ist.