Oase Iraj


Langsam trotten die Trampeltiere durch den staubenden Sand, müde laufen die menschlichen Begleiter nebenher. Lang war der Tag in dieser Einöde unter der sengenden Sonne. Kein Grün in Sicht. Hat sich der Karawan-Bashi vielleicht verlaufen, hat er vielleicht doch nicht die Ortskenntnis, die er vorgibt zu besitzen? Oder warten etwa die Räuber schon hinter einem der spitzgezackten Berge in dieser Einöde, bereit zum Ausrauben der Karawane? Kann man ihm denn wirklich vertrauen? Immer mißtrauischere Blicke gehen nach vorne, wo er das Leittier unbeirrt in östlicher Richtung führt. Irgendwo da hinten beginnt die tödliche Salzwüste. Aber wissen es die anderen Begleiter denn besser? Nein, sie haben sich voll in seine Gewalt gegeben. Da, hinter dem nächsten zerklüfteten Berghang schimmert es grün! Eine Fata Morgana? Skeptische Blicke aus den windgegerbten Gesichtern, schneller (ein wenig, es sind ja Kamele!) wird der Zug durch den Sand, nur langsam wird der grüne Punkt größer und es schälen sich erste Palmen und Lehmbauten aus ihm heraus. Manch einer der Begleiter verstaut den schon im Stillen bereitgelegten Dolch wieder in den Packtaschen..... Und dann ist es geschafft: Noch ein kurzer Weg einen schmalen Pfad entlang durch Palmen und Bäume und das Tor der Karawanserei ist erreicht. Dahinter ein Hof, linkerhand ist noch Platz, wie auf ein geheimes Kommando setzen sich die erschöpften Tiere auf den staubigen Grund und werden von ihren Lasten befreit, diese in einem Raum daneben sicher aufgestapelt. Bedienstete eilen mit Wasser und Futter herbei, Genügsamkeit hin und her, die Gesetze der Biologie verlangen jetzt ihr Recht, schließlich sollen die Tiere ja am nächsten Tag wieder aufstehen. Und die Begleiter? Allah verlangt es, ein kurzes Dank- und Bittgebet zwecks glücklicher Ankunft und zum erfolgreichen Weiterkommen am nächsten Tag, gesendet in Richtung Mekka. Dann: Ein flacher Tisch steht bereit, von Teppichen umrahmt, die schon bereitstehende Karaffe mit heißem Tee lädt zum Hinsetzen ein, ein auf einem Feuer bratender Hammel verströmt vorab schon einmal köstliche Düfte. Und während der Tee in kleinen Schlucken schweigend getrunken wird, kommen bald die ersten Teller mit Hammelfleisch und frisch gebackenem Brot auf den Tisch. Zufriedenes Mampfen ohne große Worte, später nach einer weiteren Karaffe Tee lösen sich die Zungen ein bißchen, erzählt man sich ein wenig von den daheim wartenden Frauen und Kindern, von den Befürchtungen, irgendwann einmal diese nicht mehr ernähren zu können, von den Sehnsüchten und von den Gedanken über die Weltläufe, die wohl jeder Mensch auf der Erde hat. Bis sich einer nach dem anderen in den daneben befindlichen Raum zurückzieht, um sich in seine Decke zu rollen und im Morpheu's Arme zu sinken. Denn früh bei Sonnenaufgang geht es weiter. Wohin die Reise geht? Wir wissen es nicht, aber einige hundert Kilometer durch die Große Kafirwüste sind auf jeden Fall zu überwinden, im mittelalterlichen Persien.